Die Arbeitsmarkt-Euphorie der Statistiker

27 01 2008

Am kommenden Donnerstag ist es wieder soweit: Die aktuellen Arbeitslosenzahlen für den Monat Januar werden veröffentlicht. Als der Chef der Bundesagentur für Arbeit, Frank-Jürge Weise Anfang Januar die Zahlen für 2007 verkündete, sprach er von einer „historischen Dimension“:

Im Jahre 2007 waren 3.776.000 Menschen ohne Arbeit, 711.000 weniger als 2006, der „größte Rückgang seit Bestehen der Bundesrepublik“. Soweit Weise, soweit die Statistik.

Jetzt schauen wir uns mal die Statistik ein wenig genauer an:

Offizielle Arbeitslosenzahl 3.406.000 (= Quote 8,1 Prozent)

Nicht erfasst werden von dieser Statistik:

 - Menschen in beruflicher Weiterbildung = 131.000

- Menschen in Eignungsfeststellungs-und Traningsmaßnahmen = 68.000

- Menschen mit Ein-Euro-Jobs = 290.000

- Menschen in Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen = 39.000

- Beschäftigte mit Eingliederungszuschüssen = 111.000

- „Beschäftigte“ als geförderte Selbständigte = 215.000

- Arbeitslose im Vorruhestand = 495.000

- Stille Reserve = 698.000

Wahre Arbeitslosenzahl 5.526.000 (Quote = 12,5 Prozent)

Und wie immer trifft der abgedrosche Spruch der Sprüche zu: Traue keiner Statistik, die Du nicht selbst gefälscht hast.





Nokia – Werkschließung und falsche Fragen

27 01 2008

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Dieses Bild ging einmal um die Welt: Am 09. April 1987 reiste der damalige Generalsekretär der Kommunistischen Partei der Sowjetunion, Michael Gorbatschow, nach Helsenki und telefonierte von dort aus mit seinem Kommunikationsminister. Für dieses Telefonat benutzt er eines der ersten Mobiltelefone der Welt, das Nokia Mobira Cityman 900, mit 800 Gramm das leichteste Gerät auf dem Markt, Kostenpunkt EUR 4.500.

Im Moment hält sich die Begeisterung für Nokia in Grenzen, Grund ist die geplante Werksschließung in Bochum.  Die Arbeiter gehen auf die Straße, die Politiker wollen kein Nokia mehr benutzen und es wird Subventionsbetrug gewittert. Leider wird die richtige Frage nicht gestellt:

Warum werden Subventionen nicht abgeschafft?

2003 hat das Kieler Institut für Weltwirtschaft  (IfW) ein Gutachten vorgelegt, dass für eine generelle Abschaffung der Subventionen spricht.  Würden weltweit keine Subventionen mehr vergeben, dann könnte der Einkommenssteuersatz auf 19,9 Prozent und der Eingangssteuersatz auf 7,8 Prozent gesenkt werden.

Zum Vergleich: Jährlich werden weltweit 145 Milliarden Euro an Subventionen vergeben; Nokia war mit 88 Millionen im Rennen.

So hat der „Fall Nokia“ zumindest ein Gutes: Die Frage nach dem Sinn und Zweck von Subventionsvergaben wird hoffentlich neu gestellt. Ein weltweites Subventionsverbot ist zwar illusorisch, eine befristete und degressive Gestaltung allerdings nicht.