Der Franzose Jules Fainzang war Gefangener in Auschwitz. Heute ist er 85 Jahre alt – und will noch möglichst vielen Menschen vom Nazi-Terror erzählen. Deshalb reist er jeden Winter zehnmal nach Polen. Einen sehr bewegenden Artikel über Jules Fainzang gibt es in der Frankfurter Rundschau:
Auszug:
„Es waren Gruben wie diese“, sagt Jules Fainzang. „In solche Tümpel haben die SS-Wärter tausende Leichen aus den Gaskammern werfen lassen.“
Und dann erzählt er: Vom Grundwasser, das so hoch steht in Auschwitz, dass die Gruben bald vollliefen und aus jedem Massengrab ein kleiner See wurde. Und davon, wie die Front näher rückte und die SS die Leichen wieder ausgraben und verbrennen ließ, von Sonderkommandos internierter Juden.
„Als die Juden die Leichen herausziehen wollten, haben sich die Arme und Beine gelöst.“
Sarah und die anderen verziehen den Mund.
„Es tut mir leid, dass ich Ihnen so etwas sagen muss, aber stellen Sie sich das vor! Tausende von Toten lagen in diesem Sumpf!“ Und dann, nach einer kurzen Pause, sagt Jules Fainzang so leise, dass man es kaum hören kann: „Nach dem Datum ihrer Deportation haben auch meine Eltern zu diesen Kadavern gehört.“ Seine Unterlippe zittert.
62 Jahre ist der Krieg zuende.Noch immer wird man mit diesen Bildern konfrontiert, mit diesen „Berichten“, man will über dieses Elend nichts lesen, liest es doch, und kann nach dem Lesen kaum einen Gedanken fassen, um die Leere und die Fassungslosigkeit über die Geschehenisse zu formulieren.
Und daneben gibt es die Zündels und Mahlers, die nicht aufhören, den Holocaust zu leugnen und damit den Opfern und Hinterbliebenen nochmals „ins Gesicht zu schlagen“.
Und da gibt es einen Holocaust-Gedenktag und einen Fastnachtumzug in München.
Münchens Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) sieht keine rechtlichen Möglichkeiten zum Stopp des am Holocaust-Gedenktag geplanten Faschingsumzugs in der bayerischen Metropole. „Der Gedenktag am 27. Januar ist kein Feiertag und genießt auch sonst keinerlei gesetzlichen Schutz“, sagte Ude dem „Tagesspiegel“. Die Behörden hätten deshalb keine „rechtliche Handhabe, Vergnügungsveranstaltungen an diesem Tag zu unterbinden“. Der Zentralrat der Juden hatte den Termin für den Karnevalszug zuvor scharf kritisiert.
Quelle
Der Gedenktag ist kein FEIERtag. Auch wenn der Begriff FEIERtag anders belegt ist, finde ich ihn im Zusammenhang mit dem Holocaust widerwärtig. Ude sieht keine rechtlichen Möglichkeiten und nimmt selbst an dem Umzug teil. Recht und Moral sind nicht miteinander verwandt.
„Anstand“ ist ohnehin ein Begriff aus dem „Mittelalter“ und völlig unzeitgemäß. Vielleicht sollten die Teilnehmer dieses Umzuges anschließend eine Führung durch Jules Fainzang genießen.
Auch der Begriff „Narr“ hat viele Bedeutungen. Diese ist hier zutreffend:
Als Tor oder Narr werden auch Personen bezeichnet, die sich sehr unreif, dumm, tollpatschig, voreingenommen, vorurteilsbehaftet und unwissend verhalten und die sich auf Basis ihrer Unwissenheit als Gelehrte aufplustern, ohne ihre Unwissenheit zu erkennen, weil sie denken, ihre Unwissenheit sei großes Wissen. (wikipedia)
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